Die St. Andreas-Kirche in Gadenstedt

Das Dorf Gadenstedt, das heute mit vier anderen Dörfern politisch zur Gemeinde Lahstedt gehört, ist kein Ort mit großer Vergangenheit. Es ist ein typisches Dorf im Hannoverschen, in dem das wache Auge auch heute noch die Schönheit alter Bauernkultur finden kann.

Die Gadenstedter St. Andreaskirche steht in der Mitte des alten Dorfkernes. Sie wird von einer parkähnlichen Anlage umgeben hier - befand sich früher der Friedhof - und an ihrer Vorderfront wachsen drei Linden, die über 100 Jahre alt sind und inzwischen bereits den Kirchturm überragen.

Der romanische Turm der St. Andreaskirche, der aus Sandsteinen gefügt und hoch behelmt ist, stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert. Von den vier romanischen Schalllöchern, die den Glockenklang nach allen Richtungen herauslassen sollen, kann man schließen, dass die damalige Kirche ein viel niedrigeres Dach gehabt haben muss. Es wird eine sogenannte "Eigenkirche" der Herren von Gadenstedt gewesen sein, die sie auf ihrem Grund und Boden errichten ließen.

Die spätere gotische Kirche wurde dann im Jahre 1420 errichtet, wovon noch heute Wände erhalten sind. Das Erbauungsjahr findet man an einem Pfeiler der südlichen Außenwand.

Von den Folgen des 30-jährigen Krieges blieb auch die St. Andreaskirche nicht verschont. Durch verschiedene Brände wurde sie schwer in Mitleidenschaft gezogen. Jedoch bereits 1659 begann der Wiederaufbau. Um der Gemeinde mehr Platz zu bieten, wurde an der Nordseite der Kirche ein weiteres Seitenschiff angefügt. Zwei Eichensäulen stützten die Balkendecke dort, wo die Nordwand der Erweiterung weichen musste. Eine dieser Eichen ist bis heute erhalten. Auf ihr finden wir die Jahreszahl 1659 und das Zunftzeichen des Meisters, der sie aufgerichtet hat. Eine zwischenzeitlich verwendete Eisenstütze wurde 1949 wieder gegen eine Eichensäule ersetzt.

Der Innenraum hat im Laufe der Jahrhunderte manche Umgestaltung erfahren. So wurde an der Turmseite in der Renaissancezeit eine Empore errichtet, deren Brüstung von 20 Bildern mit Szenen aus dem Leben Jesu geziert wird. Die Figuren waren ursprünglich mit bunter Tempera ausgemalt. Die Bilder wurden 1953 und 1986 restauriert. Im Jahre 1948 wurde an der nördlichen Seite über dem Erbbegräbnis der Familie von Gadenstedt eine weitere Empore errichtet. Ländliche Motivmalerei und Verse von Paul Gerhard schmücken deren Brüstung.

An der Nordwand des Chores, über dem früheren Patronatsgestühl, hängt ein Epitaph aus dem Jahre 1573, das zwei Herren von Gadenstedt im Gebet darstellt. Die Südwand des Kirchenschiffes wird von einem 1891 entstandenen Ölgemälde "Jesus segnet die Kinder" verziert. Es handelt sich dabei um eine Kopie von E.C. Pfannschmidt nach einem Gemälde von C.G. Pfannschmidt.

Der Altar stammt aus dem Jahre 1885. Es handelt sich bei ihm um einen Sandsteinsockel mit eichenem Aufsatz, der 1953 umgestaltet wurde. In die beiden Seitenflügel des Altaraufsatzes sind die Einsetzungsworte des Abendmahles eingeschnitzt. Vor dem Mittelteil steht das geschnitzte Kruzifix und darunter Maria, die Mutter Jesu, und der Lieblingsjünger Johannes.

Die Orgel wurde nach der Erweiterung und Barockisierung des Innenraumes 1683 "aus freiwilligen Beiträgen der Einwohner" erbaut. Eine Inschrift unter dem Gesims weist Otto Eilhard Batienter als Erbauer aus. Das Werk steht heute wie vor 300 Jahren auf der oberen Empore an der Turmseite, deren Mitte für den Organisten wie ein Balkon vorgezogen und mit einem in Linde geschnitzten Wappen der Herren von Gadenstedt geziert ist. Die Orgel weist zwei Besonderheiten auf: Einen Zimbelstern, der bei jedem Weihnachtsfest das Lied "O du fröhliche" begleitet sowie ein Vogelgeschrei für das alte Paul-Gerhard-Lied "Geh aus mein Herz".

Eine 54 cm hoheAndreasskulptur wurde 1989 von den beiden Ilseder Steinmetzen Markus Schmidtmeyer und Horst Weiss der Kirchengemeinde gestiftet und in der Kirche aufgestellt. Schon seit 1957 grüßt eine Andreasfigur (Reliefbild) die Gottesdienstbesucher von der nördlichen Turmseite. Andreas war einer der ersten Jünger Jesu und erlitt Ende des 1. Jahrhunderts an einem X-förmigen Kreuz den Märtyrertod.

1997 und 1998 ist die Kirche sorgfältig restauriert worden. Sie bekam ein neues Heizungssystem, einen neuen Sandsteinfußboden und ein Holzpodest für die Stühle; die Bänke wurden neu gestrichen. Außerdem wurde die Orgelempore abgestützt.

Wichtiger als alle Renovierungsarbeiten sind jedoch die Gottesdienste und das Gemeindeleben. Deshalb soll die Betrachtung der St. Andreaskirche schließen mit einem kurzen Auszug aus dem "Monatsgruß" vom 1. Oktober 1953: "Der schönste Schmuck einer Kirche ist und bleibt aber die gottesdienstliche Gemeinde, die sie füllt und sich in ihr heimisch weiß. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt! (Psalm 26,8)"

Pastor Norbert Paul   
6. veränderte Auflage, Gadenstedt im April 1998   

QUELLEN:
J. Krüger: Die Kirche St. Andreas zu Gadenstedt und eine Monographie der Barockorgel von 1683
Prof. Dr. Uwe Pape: Gadenstedter Orgel 300 Jahre alt


"Der Monatsgruß", Gemeindebrief der Kirchengemeinde Gadenstedt:

Nr. 476, 60. Jahrgang, Februar / März 2011
Nr. 475, 59. Jahrgang, Dezember 2010 / Januar 2011
Nr. 474, 59. Jahrgang, November 2010

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